Elisabeth von Calenberg

27.10.2026

Elisabeth von Calenberg: Eine Herzogin, die Geschichte schrieb

Erwartungsvolle Gesichter in der Corvinus-Kirche Northeim: Kurz vor Beginn der Premiere füllten sich die Reihen, und die Spannung im Kirchenraum war spürbar. Pastorin im Ruhestand Dorothea Speyer-Heise stellte ihr neues Stück vor, das wieder einer historischen Frauenfigur gewidmet ist. Diesmal schlüpfte die Autorin selbst in die Rolle der Herzogin Elisabeth von Calenberg.

Ein herzlicher Auftakt

Bevor der Vorhang sich sozusagen öffnete, begrüßten der Kirchenvorstand der Corvinus-Gemeinde und der Vorstandsvorsitzende der Hospiz-Stiftung Region Einbeck-Northeim-Uslar die Gäste und stimmten sie auf den Abend ein. Der Erlös der Veranstaltung kam der Hospiz-Stiftung zugute, die sich in der Region für die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen einsetzt.

Ein Brief voller Sorge

Im Zentrum des Stücks steht ein Brief, den die besorgte und bekümmerte Elisabeth an ihren Sohn Erich II. richtet. Ihr Leibarzt soll ihn überbringen und dem Sohn verlesen. Der Inhalt ist schwer: Erich II. war nach der Übernahme der Regentschaft wieder zum katholischen Glauben übergetreten, versuchte die Abkehr vom Protestantismus im Herzogtum durchzusetzen und ließ sogar Antonius Corvinus inhaftieren. Seine Mutter macht ihm darüber große Vorwürfe.

Diese Zuspitzung gibt dem Abend seine emotionale Kraft. Hier spricht keine Chronistin, sondern eine Mutter, die zugleich Landesherrin war und mit ansehen muss, wie ihr Lebenswerk gefährdet wird.

Vom Kind zur Reformatorin

Elisabeth wurde 1510 in Brandenburg geboren. Mit nur 14 Jahren wurde sie als zweite Frau mit dem 40 Jahre älteren Erich I. von Calenberg-Göttingen vermählt. Nach dessen Tod 1540 setzte sie die Reformation im Herzogtum durch. Unterstützung fand sie bei Antonius Corvinus, einem Schüler Martin Luthers, der in ihrem Auftrag die erste Calenberger Kirchenordnung verfasste. Dass dieser Mann später auf Betreiben ihres Sohnes im Gefängnis landete, macht die Tragik der Geschichte besonders greifbar.

Vertreibung und später Neubeginn

Der Preis für ihr Engagement war hoch. Aus ihrem Schloss in Hannoversch Münden vertrieben, lebte Elisabeth zwei Jahre in Armut in Hannover. 1555 zog sie nach Ilmenau zu ihrem zweiten Ehemann, Graf Poppo von Henneberg. Dort starb sie 1558.

Ein Vermächtnis, das bis heute wirkt

Elisabeth legte nicht nur den Grundstein der Reformation in ihrem Herzogtum. Mit dem Erlass einer Kirchen- und Klosterordnung schuf sie auch die Grundlage für die spätere Klosterkammer. In der Klosterordnung bestimmte sie, dass die Erlöse zugunsten von Armen und zur Förderung von Mädchen verwendet werden sollten. Für ihre Zeit war das ein bemerkenswerter Gedanke, denn Bildung und soziale Fürsorge für Mädchen waren alles andere als selbstverständlich.

Musik und Stimme

Getragen wurde der Abend von einem stimmigen Zusammenspiel. Christine Kuhr begleitete musikalisch und schuf die Brücken zwischen den einzelnen Texten. Dorothea Speyer-Heise trug diese mit großer Ausdruckskraft vor: liebevoll und einfühlsam, zornig und enttäuscht, kraftvoll und überzeugend. So wurde aus einer historischen Figur ein Mensch mit Zweifeln, Zorn und Zuneigung.

Dank des Publikums

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und großzügigen Spenden für die Hospiz-Stiftung. Damit wurde der Abend nicht nur zu einem kulturellen Ereignis, sondern auch zu einem Zeichen gelebter Solidarität in der Region.

Wer die Premiere verpasst hat, kann die nächste Aufführung in unserer Veranstaltungsübersicht finden.

Mehr über die Hospiz-Stiftung Region Einbeck–Northeim–Uslar

Die Hospiz-Stiftung Region Einbeck–Northeim–Uslar unterstützt den Ambulanten Hospizdienst Leine-Solling, die Trauerbegleitung LuToM für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie das Projekt AUDEA für Menschen mit Demenz.
Weitere Informationen zu Veranstaltungen der Stiftung finden Sie unter Veranstaltungen.
Wer die wertvolle Arbeit der Stiftung unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende oder Zustiftung tun – als Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit für Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

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